Die Läufigkeit der Hündin

Die Läufigkeit ist ein ganz natürlicher Vorgang, der bei gesunden Hündinnen im fruchtbaren Alter zu beobachten ist. Im Alter von 6 bis 12 Monaten setzt die erste Läufigkeit bei einer gesunden Hündin ein. Die Hündin befindet sich jetzt nicht nur physisch, sondern auch psychisch mitten in der Pubertät. Allerdings variiert das Eintrittsalter einer Hündin in die Geschlechtsreife je nach Rasse und Individuum. Bei Hündinnen kleiner Rassen kann dies meist schon mit 6 Monaten geschehen. Hündinnen großer Rassen hingegen werden jedoch oft nach dem 12 Lebensmonat zum ersten mal läufig.

 

Entscheidend für die erste Läufigkeit ist, dass die Hündin ihr ausgewachsenes Gewicht erreicht hat. Bekommt eine Hündin nicht genügend Futter oder war lange Zeit durch Krankheit geschwächt, kann sich der Zeitpunkt der ersten Läufigkeit verzögern. Aber auch hier sei angemerkt, jede Hündin ist anders und so ist es nicht ungewöhnlich, wenn eine kleine gesunde Hündin erst in ihrem zweiten Lebensjahr zum ersten mal läufig wird.

Des Weiteren muss man wissen, dass die erste Läufigkeit nicht ganz typisch verläuft, denn sie erreicht ihre Geschlechtsreife, obwohl sie körperlich noch nicht fertig entwickelt ist. So kann es zum Beispiel auch zu einer sogenannten stillen Läufigkeit kommen. Das heißt, dass es trotz der hormonellen Vorgänge in ihrem Körper zu keinerlei äußeren Anzeichen wie Blutung und Ausfluss kommt. In diesem Fall wird die Hündin völlig unbemerkt läufig.

Es ist auch möglich, dass die Hündin zunächst typische Anzeichen einer Läufigkeit aufweist, diese jedoch nach wenigen Tagen wieder abklingen, bevor sie dann später wieder auftauchen - dies nennt man Split-Östrus.

Es besteht also kein Grund zur sorge, sollte eine Hündin mit zwei Jahren noch nicht läufig sein oder die erste Läufigkeit nicht klassisch verläuft. Beides kommt recht häufig vor.

 

Der Zyklus der Hündin gliedert sich in vier Phasen:

 

Proöstrus (Vorbrunst): Die Vorbrunst kann zwischen 3 und 17 Tagen variieren. Der Proöstrus dauert aber im Schnitt 9 Tage. In der ersten Phase der Läufigkeit schwillt die Vulva der Hündin an und blutiger Scheidenausfluss tritt aus. Auch der Ausfluss unterscheidet sich von Hund zu Hund. Während er bei einigen Hündinnen kaum auffällt, bluten andere relativ stark. Auch wenn die Hündin ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht fruchtbar ist, riecht sie für Rüden schon sehr interessant. Allerdings weicht sie anderen Hunden aus oder beißt sie weg, wenn ihr einer zu aufdringlich wird. Jedoch sollten sie wissen, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen schwierig festzustellen sind.

 

Östrus (Brunst): Während der Brunst oder auch Standhitze ist die Hündin deckbereit. Die Hündin bleibt nun bereitwillig stehen und dreht die Rute auf die Seite, wenn sich ein interessierter Rüde nähert. Die Standhitze dauert im Schnitt 9 Tage an, kann allerdings je nach Hündin zwischen 3 und 21 Tagen schwanken. Der Scheidenfluss ist nun wässriger, kann aber auch schleimig sein und die Vulva ist nicht mehr so stark geschwollen. In dieser Zeit, meist zwischen dem 2. und 4. Tag, finden mehrere Eisprünge statt. Dies sind die fruchtbaren Tage der Hündin.

 

Metöstrus (Nachbrunst): Das ist Phase, in der die Läufigkeitssymptome wieder abklingen. Der Ausfluss wird zunächst gelblich, bis er schließlich ganz verschwindet und die Vulva abschwillt. Auch wenn die Hündin nun äußerlich keine Anzeichen einer Läufigkeit mehr zeigt, gibt es noch über einige Wochen hormonelle Veränderung. Es wird das Hormon Progesteron gebildet. Dies wird durch die Gelbkörper gebildet, die nach dem Eisprung an den Eierstöcken entstehen. Das Progesteron sorgt dafür, dass der Embryo, die für seine Einnistung und sein Wachstum benötigten Bedingungen in der Gebärmutter vorfindet. Das Hormon wird unabhängig davon produziert, ob es zu einer Befruchtung gekommen ist oder nicht. Die Gelbkörper sind erst nach 9 bis 12 Wochen abgebaut. Bei manchen Hündinnen kann es passieren, dass der nun sinkende Progesteronspiegel die Ausschüttung des Hormons Prolaktin anstößt. Durch das Prolaktin wird die Milchproduktion angekurbelt und es kommt bei einigen Hunden zu einer Scheinträchtigkeit.

 

Anöstrus: Dies ist die „Ruhephase“ des Zyklus. Es werden keinerlei äußeren Anzeichen einer Läufigkeit mehr angezeigt. Das heißt, ihre Sexualhormone bleiben entweder auf einem Level (Progesteron) oder sie schwanken leicht (Östrogen). Diese Phase kann unterschiedlich lang sein. Sie kann mehrere Wochen oder Monate andauern und endet erst mit der Einleitung des nächsten Proöstrus und somit der nächsten Läufigkeit. In dieser Übergangsphase, von Anöstrus zu Proöstrus (Präproöstrus), bilden sich allmählich Eibläschen, sogenannte Follikel, an den Eierstöcken. Hier reifen die Eizellen bis zum Eisprung heran. Der Eisprung wird erst im Östrus (Brunst) stattfinden.

 

Das Verhalten der Hündin während der Läufigkeit

 

Die meisten Hündinnenbesitzer werden zweimal im Jahr mit einer Läufigkeit konfrontiert, denn im Durchschnitt wird eine Hündin alle 7 Monate läufig. Als Ausnahme gelten Hunde vom Urtyp, wie der Basneji. Sie werden häufig, ähnlich wie Wölfe und Dingos, nur einmal im Jahr läufig. Je besser der Hundehalter darüber informiert ist, was während der Läufigkeit mit seiner Hündin passiert, umso stressfreier kann er für sie diese Zeit gestalten.

 

Noch bevor die Hündin die ersten Symptome einer Läufigkeit zeigt, lassen sich in ihrem Verhalten einige Auffälligkeiten beobachten. So urinieren die meisten Hündinnen zunächst öfter als sonst. Dieses Verhalten erinnert oft an einen Markierenden Rüden, da sie scheinbar alle paar Meter muss. Die Hündin setzt jetzt instinktiv erste Duftmarken, welche von den Rüden auch wahrgenommen werden. Eine Hündin hat in dieser Zeit nicht selten auffällig viele Verehrer, die aufgeregt um sie herum tänzeln und begeistert beschnüffeln.

 

Das Verhalten während der Läufigkeit ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Einige Hündinnen werden anhänglicher und fordern viele Streicheleinheiten. Andere hingegen vergessen in dieser Zeit ihre gute Erziehung. Sie entfernen sich z. B. bei Spaziergängen und lassen sich schlechter abrufen. 

 

Oft schlafen Hündinnen während der Läufigkeit auch mehr als sonst und wirken Melancholisch oder faul. Es gibt aber auch Hündinnen, die einen ruhelosen Eindruck machen und alle paar Minuten den Liegeplatz wechseln. Allerdings gibt es auch Hündinnen, die von ihrer Läufigkeit völlig unbeeindruckt sind und sich wie immer benehmen.

 

In der Läufigkeit putzen sich Hündinnen sehr häufig und ausgiebig. Allerdings gibt es auch hier sehr reinliche und eher nachlässige Hunde. Auch kann die Blutung unterschiedlich stark sein. Im Fachhandel gibt es spezielle Höschen, welche verhindern, dass der Ausfluss auf dem Boden oder Hundekörpchen tropft. Es empfiehlt sich, mehrere von diesen Höschen zu besitzen und beim Einsatz zusätzlich mit einer Damen-Slipeinlage zu versehen.

 

Beim Einsatz der Höschen ist es zu empfehlen, die Hündin schon im Vorfeld daran zu gewöhnen. Auch sind viele Hunde erstaunlich gut darin, sich von dem unliebsamen Wäschestück wieder zu befreien. 

 

Besonderes Augenmerk während der Läufigkeit liegt bei der Begegnung mit anderen Hunden. Wenn sie keinen ungewollten Wurf mit ihrer Hündin haben wollen, ist es wichtig, dass sie sie insbesondere während der Standhitze (Östrus) von unkastrierten Rüden fernhalten. Führen sie ihre Hündin in dieser Zeit am besten nur an der Leine aus und meiden sie Orte, die von andern Hundehaltern besucht werden. Machen sie bei Begegnungen mit anderen Hundehaltern diese darauf aufmerksam, dass ihre Hündin gerade läufig ist. 

 

Aber auch abseits der fruchtbaren Tage riecht die läufige Hündin für Rüden sehr spannend. Rüden neigen dazu, die Hündinnen zu bedrängen, während diese meist in eine Abwehrhaltung geht, ausweicht und schnappt. Dies ist für die Tiere eher eine Stresssituation als ein entspanntes Spiel. Unter Beachtung dieser Regel kommen Sie und Ihre Hündin weitgehend stressfrei durch die Läufigkeit.