Der Bulldog zwischen 1835 und 1860

Der Beinaheuntergang einer Rasse und die Chance als Show-Hund

 

Als im Jahr 1835 in England Hundekämpfe per Gesetz abgeschafft waren, verlor der Bulldog seine Existenz. Die Nachfrage ging zurück und somit auch deren Zucht. Hundekämpfe wurden nur noch im Untergrund abgehalten. Da ich mir vorstellen kann, dass es im Untergrund schier unmöglich war Kämpfe Hund gegen Stier abzuhalten, gerieten diese Kämpfe völlig in Vergessenheit. In abgelegenen Ställen, Kellern, Lagerhäusern und Fabrikhallen wurden „Pits“ eingerichtet, in denen man zwei Hunde gegen einander antreten ließ.

Das Sportmagazin von damals war voll mit Berichten von Hundekämpfen. Die meisten von ihnen haben in der Arena von Westminster stattgefunden. In den Sportmagazinen wurden auch die einzelnen Taktiken der Hunde erläutert. Traurige Berühmtheit erlangte damals der Hund Blecher, von dem berichtet wird, dass er in 104 Kämpfen unbesiegt blieb. 

 

Eine andere Art des Hundekampfes war das sogenannte Ratten-Töten (Rat-Killing), welches zur Belustigung der einfachen Leute Diente. Für diese Kämpfe war der große und schwere Bulldog ungeeignet. Kleinere und wenigere Hunde mussten her. Des weiteren distanzierte sich die öffentliche Meinung bereits Anfang des 19. Jahrhunderts von den Hundekämpfe. Noch bevor es zu einem offiziellen Verbot kam, galten die Hundekämpfe bei der englischen Oberschicht nicht mehr als chic. Es war der Sport des kleinen Mannes, der Fabrikarbeiter und Tagelöhner.

 

Ein Auszug aus der Zeitung „British Field Sports“ von 1818 zeigt, wie sehr das Ansehen des Bulldog gesunken war: „Die Bulldogs sind die wirklichen Schufte unter den Hunden. Sie wurden von ihren elenden Besitzern einzig und allein für die schändlichsten Zwecke gezüchtet und verdienen heute weder Erbarmen noch Schutz. Die totale Ausrottung dieser Bestien wäre nur wünschenswert.“

 

Es grenzt schon an ein Wunder, dass der Bulldog wärent der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überlebt hat. Zu verdanken ist dies vermutlich nur den wenigen wirklich verbliebenen Bulldog-Liebhabern, und den einfachen Arbeitern und Tagelöhnern, welche freilich insgeheim gehofft hatten, dass das Kampfhund-Verbot wieder aufgehoben wurde.

Den Überlieferungen nach, entstanden zu dieser Zeit in der Gegend um Nottingham, neue, kleine Bulldoggenarten, welche u. a. durch das einkreuzen von Terriern entstanden. Es waren bulldoggenartige Hunde in Miniaturformat. Diese wurden überwiegend von den Webern dieser Gegend gezüchtet und erstmals 1836 der Londoner Öffentlichkeit vorgestellt. Dies war die Zeit des „Terrier and Bull“, aus denen Später Rassen wie der Bull Terrier und der Staffordshire Bull Terrier hervor gingen.

 

Während der Hund bei der einfachen Bevölkerung Arbeitstier blieb, entdeckten gerade die Reicheren in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Hund für sich. Im Jahre 1856 wurde in der Stadt Newcastle die erste Hundeausstellung ausgerichtet. Diese Veranstaltungen erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden von nun an regelmäßig abgehalten.  Des weiteren brachten sie der englischen Rassehundzucht neuen Aufschwung. Allerdings war der Bulldog anfangs kein gern gesehener Gast. Er hatte einen so schlechten Ruf, dass er in den ersten Jahren für diese Ausstellungen nicht zugelassen wurde. Um das Ansehen ihrer Rasse in der Öffentlichkeit zu verbessern, blieb den Züchtern nichts anderes übrig, als durch gezielte Zuchtauslese den Charakter der Bulldogs zu mäßigen. Ausstellungshunde mussten sich nämlich von jeder Person anfassen lassen dürfen und keinerlei Aggression oder Bissigkeit zeigen. Diese Veränderung gelang den Züchtern anscheinend sehr schnell, denn bereits 1860 waren auf einer Show in Birmingham die Bulldogs mitvertreten.